Activision-Spielestudio „Proletariat“: Abstimmung über Gewerkschaft abgesagt


Ausgerechnet bei dem US-Spielestudio mit dem Namen „Proletariat“ ist jetzt der Versuch abgeblasen worden, eine firmenweite Gewerkschaftsvertretung zu organisieren.

Wie The Verge berichtet, hat die Gewerkschaft CWA (Communication Workers of America) die Wahlen abgesagt und den Studiochef Seth Sivak dafür verantwortlich gemacht. Er habe die Bedenken der Angestellten als persönlichen Angriff aufgefasst und das Personal in mehreren Meetings „demoralisiert und entmachtet“. Freie und faire Wahlen über die Gründung einer Gewerkschaft seien damit unmöglich geworden. „Proletariat“ gehört zu Activision Blizzard, dort habe man die Absage begrüßt und eine Einmischung abgestritten.

„Proletariat“ wurde 2012 gegründet, den Namen hat das Studio angeblich wegen der Unzufriedenheit der Gründer als Arbeiter in der Spieleindustrie. Man habe das Ziel verfolgt, alle Angestellten am Erfolg des Unternehmens teilhaben zu lassen, erklärte „Proletariats Führungsteam“ anlässlich der geplanten Abstimmung.

Wie The Verge erläutert, wäre es dabei zwar bereits um die dritte gewerkschaftliche Vertretung unter dem Dach von Activision Blizzard gegangen, es wäre aber die erste gewesen, die in einem Unternehmen alle Berufsgruppen umfasst hätte. „Proletariat“ ist vor allem für „Spellbreak“ bekannt, hat aber zuletzt auch an „World of Warcraft“ mitgearbeitet.

Beim Activision-Studio Raven Software haben sich vergangenen Mai die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Qualitätssicherung zu einer Gewerkschaft zusammengeschlossen. Die war die erste Gewerkschaft bei einem größeren Spiele-Publisher in den USA. Eine weitere folgte dann erst vor wenigen Wochen bei Blizzard Albany. Hintergrund ist nicht nur eine kleine Renaissance von Gewerkschaften in den USA insgesamt, sondern auch die besonderen Umstände bei Activision Blizzard. Microsoft will das Studio übernehmen und das wird aktuell penibel von Wettbewerbshütern geprüft. Der Konzern hat deshalb versichert, in Gewerkschaftsfragen nicht nur bei dem Übernahmekandidaten zurückhaltend agieren zu wollen. Davon hätten die Angestellten von „Proletariat“ profitieren wollen, schreibt The Verge.


(mho)

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Heinz Duthel

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