Atomenergiebehörde billigt Einleitung: Fukushima-Wasser darf ins Meer


Stand: 13.01.2023 15:17 Uhr

Zwölf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die Internationale Atomenergiebehörde den Plan gebilligt, mehr als eine Million Tonnen aufbereitetes Wasser ins Meer zu leiten – obwohl es hohe Mengen Tritium enthält.

Japan will noch in diesem Jahr mehr als eine Million Tonnen aufbereitetes Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer leiten. Der bereits 2021 gefasste Plan sei jetzt von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gebilligt worden, teilte der leitende Regierungssekretär Hirokazu Matsuno mit. Dennoch werde die Regierung auf einen „umfassenden Bericht“ der UN-Organisation warten, bevor die Freigabe erfolge, sagte er.

„Wir gehen davon aus, dass die Freisetzung irgendwann in diesem Frühjahr oder Sommer erfolgen wird“, sagte Matsuno. Zuerst müssten die entsprechenden Anlagen fertiggestellt und getestet sein. Die Regierung werde „die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um die Sicherheit zu gewährleisten“, sagte er mit Blick auf die anhaltenden Bedenken der Nachbarländer und örtlichen Fischer.

Das am Meer gelegene Atomkraftwerk Fukushima war kurz nach einem schweren Erdbeben am 11. März 2011 von einem fast 15 Meter hohen Tsunami getroffen worden. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986, etwa 18.500 Menschen kamen ums Leben.

Wasser muss aus Platzgründen abgepumpt werden

Der Rückbau der Reaktoren wird laut Schätzungen bis zu 40 Jahre dauern. In der Zeit von April bis November vergangenen Jahres fielen täglich durchschnittlich 100.000 Liter kontaminiertes Wasser an. Es setzt sich aus Kühlwasser sowie aus Grund-, Meer- und Regenwasser zusammen, das in das Gebiet sickert.

Um verschiedene radioaktive Trümmer zu entfernen, wird das Wasser gefiltert und in Lagertanks geleitet – bislang befinden sich 1,3 Millionen Tonnen Wasser auf dem Gelände. Doch der Platz wird allmählich knapp.

Greenpeace, örtliche Fischer und Aktivisten aus Japans Anrainerstaaten wie etwa Südkorea (hier anlässlich des „Welttags der Ozeane“ 2022 in Seoul) sind gegen die Verklappung des aufbereiteten AKW-Wassers.

Bild: AFP

Abwasser enthält hohe Mengen Tritium

Nach Angaben des Betreibers TEPCO entspricht das aufbereitete Wasser den nationalen Normen – mit Ausnahme des radioaktiven Tritiums, eines Wasserstoff-Isotops, das nach Ansicht von Experten nur hoch dosiert für Menschen schädlich ist. TEPCO plant, das Wasser zu verdünnen, um den Tritium-Gehalt zu senken, und es über mehrere Jahrzehnte durch eine ein Kilometer lange Unterwasserleitung ins Meer abzuleiten.

Die IAEA erklärte, die Freisetzung entspreche den internationalen Standards und werde „der Umwelt keinen Schaden zufügen“. Regionale Nachbarn, darunter China und Südkorea, und Umweltorganisationen wie Greenpeace haben den Plan hingegen kritisiert.



Heinz Duthel

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