China nennt Zahlen: Fast 60.000 Corona-Tote seit Lockerungen


Stand: 14.01.2023 14:20 Uhr

Das plötzliche Ende der Corona-Maßnahmen in China hat Folgen: Millionen Infizierte und Tausende Tote. Innerhalb eines Monats sind Behördenangaben zufolge fast 60.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

In China sind nach offiziellen Angaben seit Anfang Dezember rund 60.000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 ums Leben gekommen. Das hat die Nationale Gesundheitskommission mitgeteilt.

Es ist das erste Mal seit der abrupten Abkehr von der Null-Covid-Politik im vergangenen Monat, dass die chinesische Staats- und Parteiführung eine größere Zahl von Todesopfern bekannt gegeben hat. Zuvor war international kritisiert worden, dass die chinesische Regierung nicht ausreichend Daten über den Verlauf der Pandemie veröffentliche.

Großteil hatte Vorerkrankungen

Zwischen 8. Dezember 2022 und 12. Januar 2023 seien insgesamt 59.938 Todesfälle registriert worden, sagte eine hochrangige Vertreterin der Nationalen Gesundheitskommission, Jiao Yahui, bei einer Pressekonferenz. Die Statistik berücksichtigt nur Todesfälle innerhalb medizinischer Einrichtungen. Offen blieb damit, ob weitere Personen im eigenen Zuhause an oder mit Corona starben.

Den Angaben zufolge starben 5503 Menschen an Atemstillstand, ausgelöst durch das Coronavirus. Weitere 54.435 Menschen seien an anderen Krankheiten in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen lag nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörden bei 80,3 Jahren, 90 Prozent der Todesopfer seien über 65 Jahre alt gewesen. Die meisten hätten an Grunderkrankungen gelitten.

„Notfallspitze“ laut Gesundheitskommission vorüber

Die Zahl von Patienten, die die sogenannten Fieberkliniken aufsuchten, ist nach Aussagen der Nationalen Gesundheitskommission zurückgegangen. Die Zahl der Menschen, die sich in solche Kliniken begaben, habe am 23. Dezember mit 2,9 Millionen ihren Höhepunkt erreicht, sagte Jiao Yahui. Bis zum Donnerstag sei sie um 83 Prozent auf etwa eine halbe Million gesunken. „Diese Daten zeigen, dass die nationale Notfallspitze vorüber ist“, sagte Jiao in einer Pressekonferenz.

Fachleute gehen von höheren Zahlen aus

Chinas Nationale Gesundheitskommission gab letzten Monat bekannt, dass nur Covid-19-Patienten, die an Atemstillstand sterben, als Covid-Tote gelten. Selbst unter Anwendung dieser extrem engen Definition dürfe die Zahl der Toten im mit 1,4 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichsten Land der Erde deutlich höher liegen. Experten im Ausland gehen davon aus, dass in der Volksrepublik bis zum Frühjahr bis zu anderthalb Millionen Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 sterben könnten.

In China sind Millionen von Menschen über 60 Jahren nicht gegen das Coronavirus geimpft. In den vergangenen Wochen waren die Corona-Infektionszahlen in China explosionsartig angestiegen. Krankenhäuser und Krematorien sind überlastet. Die Staats- und Parteiführung versucht, die Folgen des Ausbruchs herunterzuspielen.

China spielt Folgen herunter

Anfang Dezember hatte die chinesische Regierung ihre Null-Covid-Politik abrupt beendet, Beschränkungen weitgehend aufgehoben und keine Daten zu Infektions- und Todesfällen mehr veröffentlicht. Die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche Regierungen riefen Peking auf, angesichts eines drastischen Anstiegs von Infektionszahlen im Land mehr Informationen zu verbreiten.

Viele EU-Länder, darunter auch Deutschland, verlangen von Reisenden aus der Volksrepublik inzwischen einen negativen Coronatest. In Deutschland werden Reisende aus China zudem nach der Landung stichprobenartig auf mögliche neue Varianten des Coronavirus getestet.

Mit Informationen von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

60.000 Tote seit Ende von Null-Covid in China

Benjamin Eyssel, ARD Peking, 14.1.2023 · 13:45 Uhr



Heinz Duthel

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