Chinesischer Autohersteller Xpeng und seine Wunderwaffe: Die nächste Generation


Folge fünf einer zehnteiligen Serie, mit der heise/Autos auf den chinesischen Automarkt blickt. Dort laufen sich – teils kräftig unterstützt von der sogenannten Kommunistischen Partei – gerade chinesische Elektroautoproduzenten warm, um demnächst mit viel Schwung und einem bunten Strauß modernster Autos den heimischen und die internationalen Märkte aufzurollen. Das dürfte nicht ohne Folgen für die deutschen Autoproduzenten bleiben, deren größter weltweiter Einzelmarkt seit einigen Jahren China ist.

Das wird einerseits absehbar das Bild auf deutschen und europäischen Straßen verändern, aber auch Auswirkungen für die deutschen Produzenten und ihren Absatz in China, dem weltweit größten Einzelmarkt, haben.

Das Beste soll jetzt erst kommen: Geht es nach Xpeng, wird das ein SUV namens G9. Für den Hersteller markiert das Fahrzeug so etwas wie eine neue Generation der Elektroautos. Es soll alles vereinen, was die Marke stark macht, und zum neuen Goldstandard der Elektroautos werden, auch in Europa. Xpeng hat den Gang nach Westen längst gewagt.

Der G9 ist 4,89 Meter lang und kommt entweder mit 230 mit Heck- oder 405 kW mit Allradantrieb. Der Wagen kostet in China umgerechnet zwischen 42.000 und 64.000 Euro. Seit Anfang September 2022 kann der Wagen dort geordert werden – und innerhalb der ersten 24 Stunden taten das immerhin 23.000 Kunden. Zum Vergleich: Vom Model Y hat Tesla in den ersten neun Monaten des Jahres 172.418 Stück an Kunden in der Volksrepublik ausgeliefert.

Der G9 soll vor allem zwei Dinge beherrschen: Schnellladen und autonomes Fahren. Dank 800-Volt-Bordnetz gelangt unter günstigen Bedingungen innerhalb von fünf Minuten genug Strom für rund 200 Kilometer in den Akku. Xpeng vermarktet das Fahrzeug als „the world’s fastest-charging mass-produced EV“. Wer etwas mehr Zeit zum Laden hat, erreicht im chinesischen Zyklus CLTC eine Gesamtreichweite von 702 Kilometern. Der Akku von CATL soll außerdem besonders leicht zu recyclen sein. Xpeng verfolgt die gleiche Taktik wie Tesla, so können in China die Autos bei den Ladestationen des Herstellers und der Kooperationspartner gratis geladen werden. Xpeng unterhält etwa 1200 eigene Ladestellen und hat für rund 200.000 weitere Verträge mit Partnern.



Das Fullsize-SUV soll dem Hersteller dank enorm fortschrittlicher KI neue Marktanteile bescheren.

(Bild: Xpeng)

Punkt zwei ist das autonome Fahren. Xpeng wird im Jahr 2023 einen autonomen Taxi-Service in Guangzhou starten. Weitere Städte sollen folgen, alle mit besagtem G9. Robotaxis gelten in China als großes Geschäftsfeld der Zukunft. Xpeng hat den Vorteil, den Serien-G9 verwenden zu können, während andere Hersteller ihre Fahrzeuge erst noch mit entsprechender Technik aufrüsten müssen. Der G9 gilt in China als eines der Serienautos mit der am weitesten entwickelten KI für autonomes Fahren.

Kein Wunder also, dass sich Xpeng vom G9 einen Schub erhofft. In den ersten neun Monaten des Jahres 2022 hat die Marke insgesamt 98.000 Fahrzeuge. Etwa 125.000 bis 130.000 sollen es im gesamten Jahr werden. Damit hätten sich die Verkaufszahlen fast verdoppelt. Auf dem europäischen Markt ist Xpeng bereits vertreten. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Holland gibt es in zentraler Lage Showrooms, die Wohnzimmern ähneln.

So liegt der dänische Xpeng-Store im Zentrum Kopenhagens, direkt gegenüber dem Tivoli. Nur drei Gehminuten vom Hauptbahnhof. Alles ist mit Holz verkleidet, es gibt Espresso, und wer eine Probefahrt in der Limousine P7 machen möchte, muss maximal 15 Minuten warten. Künftig möchte die Marke die Hälfte aller Fahrzeuge außerhalb Chinas verkaufen. Eine Jahreszahl für das ambitionierte Ziel nennt der Hersteller dafür aber nicht.



In China setzten die Autodesigner grundsätzlich auf einen eher schlichten Innenraum.

(Bild: Xpeng)

Mit dem aktuellen Modellangebot ist das Ziel ohnehin nur ein frommer Wunsch. Der P7 ist ein sehr gutes Elektroauto. Es ist im besten Wortsinn unspektakulär. Die Materialwahl ist erstklassig, die Verarbeitung auf Premium-Niveau. Allerdings ist es eben nur eine Limousine. Eine Fahrzeugklasse, die im SUV-Boom an Bedeutung verlor und nur wegen der Firmenfahrzeuge überhaupt noch eine Rolle spielt. Immerhin: Wegen der hohen Steuern auf Verbrenner in Dänemark ist der Xpeng P7 (rund 56.000 Euro) dort günstiger als ein vergleichbarer Audi A4.

Geld für die Expansionspläne von Xpeng ist vorhanden. Der Börsengang im Sommer 2020 brachte 1,5 Milliarden Dollar, eine zusätzliche Aktienausgabe noch einmal 2,5 Milliarden Dollar. Weil das Geld gerade billig an den Finanzmärkten zu haben war, holte sich die Marke außerdem extrem günstige Kredite über 2,5 Milliarden Dollar bei der Bank of China, der China Construction Bank und der Agricultural Bank of China. Zudem sind mit Alibaba, Foxconn und Xiaomi drei große und prominente Firmen beteiligt, darüber hinaus auch eher diskrete Geldgeber aus den USA, Katar und Abu Dhabi.

Angesichts der Erfolge in den Bereichen Laden und autonomes Fahren, scheint das Geld erfolgreich eingesetzt worden zu sein. So erfolgreich, dass Elon Musk dem chinesischen Konkurrenten vorwarf, seine Technik zu klauen. Beim Autonomen Fahren setzt XPeng auf eine Kombination aus hochauflösenden Kameras, Ultraschall- und Lidar-Sensoren. Letztere ließen Tesla stutzig werden, obwohl die Technologie im Automobilbereich mittlerweile keine Seltenheit mehr ist. Es blieb bei Vorwürfen, Beweise konnte Tesla nicht liefern.

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(fpi)

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Heinz Duthel

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