Der Mercedes unter den Luftreinigern: Smartmi Jya Fjord Pro im Test


Analog zur S-Klasse von Mercedes verkauft Smartmi unter der Marke Jya Luftreiniger mit besonders innovativen Features. Der Jya Fjord Pro ist Smartmis aktuelles Top-Modell. Er bietet ein dreistufiges Filtersystem, dessen Herzstück aus der von Smartmi entwickelten Nanoguard-Technologie besteht und 99,99 Prozent der Partikel mit einer Größe von nur 0,1 Mikrometer aus der Luft holen soll. Damit übertrifft er sogar den Hepa-H13-Standard. Und eine zusätzliche Aktiv-Kohleschicht neutralisiert Gerüche und schädliche Gase. Der TÜV Rheinland hat die Filterleistung überprüft und insgesamt vier Smartmi-Luftreiniger, darunter auch die Jya-Modelle, mit der Allergy Care Certification ausgezeichnet. Laut TÜV erzielen die Geräte eine Reinigungsrate von mindestens 99 Prozent für gängige Allergene in Innenräumen, einschließlich Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaaren. Das Allergy-Care-Zertifikat haben auch die Luftreiniger von Xiaomi aus der 4er-Serie wie der Smart Air Purifier 4 (Testbericht) erhalten.

Luftreiniger sind nicht nur sinnvoll, wenn es um die Reinigung der Luft von Feinstaub und Gerüchen geht, sondern auch bei der Reduktion der Virenkonzentration. Das hat das Institut für Energie- und Umwelttechnik in Duisburg unter Leitung von Dr. Stefan Schumacher im Auftrag der Stiftung Warentest herausgefunden. Bei einem Versuch mit einer hochansteckenden Person in einem 16 Quadratmeter großen und 2,50 Meter hohen Raum registrierten die Forscher nach 60 Minuten eine Virenanzahl von über 80.000. Durch einfaches Lüften sank dieser Wert auf unter 60.000. Und mit dem zusätzlichen Einsatz eines Luftreinigers wurden weniger als 20.000 Viren registriert.
























Mit einer Höhe von knapp 72 Zentimeter fällt der Jya Fjord Pro sehr groß aus und überragt damit fast alle anderen Luftreiniger. Und mit einem Gewicht von 10,3 Kilogramm ist der Smartmi-Luftreiniger schwerer als andere Modelle. Dank vier Rollen an der Unterseite geht ein Positionswechsel trotz des hohen Gewichts relativ leicht von der Hand.

Mit einer silbergrauen Lackierung und einer perfekten Verarbeitung hinterlässt er einen sehr edlen Eindruck, obwohl das Gehäuse nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff besteht. Vorder- und Rückseite bestehen etwa zu zwei Dritteln aus schwarzen, luftdurchlässigen Abdeckungen, hinter denen ein Filter angesaugte Luft reinigt. An der Vorderseite unterhalb der schwarzen Abdeckung informiert eine wenige Zentimeter breite farbige LED über die aktuelle Luftqualität. Ist in puncto Pollen und TVOC alles in Ordnung, leuchtet sie grün, gelb und orange bei guter und mittelmäßiger Luftqualität und rot, wenn die Schadstoffe in der Luft die Gesundheit gefährden.

Vor der ersten Inbetriebnahme muss allerdings zunächst der eingebaute Filter von seiner Plastikverpackung befreit werden. Hierzu öffnet man die Abdeckung an der Rückseite, holt den Filter heraus, streift die Plastikverpackung ab, setzt ihn wieder ein und schließt die Abdeckung wieder. Haushalte mit Kindern werden sich darüber freuen, dass beim Öffnen der rückseitigen Abdeckung das Gerät automatisch ausgeschaltet wird. Oberhalb der Abdeckung sitzen die Sensoren für Partikel- und Gas (TVOC).

Der Anschluss für das Stromkabel befindet sich an der Rückseite unterhalb der Filterabdeckung. Links davon gibt es einen Einschaltknopf, mit dem man das Gerät mit Strom versorgt. Eingeschaltet wird der Jya Fjord Pro aber entweder mit der App oder über das OLED-Display an der Vorderseite. Dort wird im ausgeschalteten Zustand ein Ein-/Ausschalter dargestellt, der allerdings nach einer Minute im Standby-Betrieb verschwindet und einer Anzeige von Temperatur und Luftfeuchte Platz macht. Tippt man darauf wird der Ein-/Ausschalter wieder angezeigt. Mit Wischgesten können Anwender durch die verschiedenen Anzeigen des OLED-Displays blättern und das Gerät steuern. So können sie den Betriebsmodus („Schlafen“, „Automatisch“, „Gesundheit“ und „Turbo“) auswählen oder die Sensordaten für PM2.5, PM10 und TVOC abrufen. Auch informiert das Display über die Restlaufzeit des Filters in Prozent und auch das WLAN lässt sich über die OLED-Anzeige ein- und ausschalten oder zurücksetzen. Apropos Filter: Nach vier Wochen intensiver Nutzung zeigt das Gerät noch eine Kapazität von 99 Prozent und eine Restlaufzeit von 288 Tagen an.
























Schaltet man den Jya Fjord Pro ein, öffnen sich auf der Oberseite fünf Lüftungsklappen, aus denen die gereinigte Luft strömt. Den Winkel der Lüftungsklappen können Anwender entweder über das OLED-Display an der Front oder per App auf 30°, 60° oder 90° einstellen und so die den ausströmenden Luftstrom in die gewünschte Richtung lenken.
























Wer den Smartmi-Luftreiniger lieber per Smartphone aus der Ferne bedienen möchte, nimmt die Smartmi-App zu Hilfe. Anders als bei Philips-Luftreinigern setzt die Nutzung der App allerdings eine Registrierung und Anmeldung voraus. Die Einrichtung mit der App ist problemlos (siehe auch Bildergalerie). Mit der App stehen weitere Optionen zur Verfügung. So können Anwender den Tastenton abschalten und die Kindersicherung aktivieren. Mit Letzterem wird die Bedienung über das OLED-Display deaktiviert. Auch können Timer programmiert werden, sodass sich der Luftreiniger zu bestimmten Zeitpunkten automatisch ein- und ausschaltet. Und Verlaufsdaten zu den gemessenen Sensor-Werten wie Feinstaub (PM 2.5) und TVOC stehen in der App ebenfalls bereit.
























Anwender können den Smartmi-Luftreiniger auch per Sprache über Google Assistant und Amazon Alexa steuern. Allerdings können sie damit das Gerät nur ein- und ausschalten. Die Auswahl eines bestimmten Betriebsmodi ist per Sprache nicht möglich. Wer ein iPad oder ein Apple TV als Smart-Home-Zentrale verwendet, kann den Jya Fjord Pro über das Einscannen des entsprechenden Homekit-QR-Codes, der sich hinter der rückwärtigen Abdeckung befindet, auch unter der Apple-Plattform steuern.
























Im mehrwöchigen Testbetrieb hat der Jya Fjord Pro einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Der Smartmi-Luftreiniger mit TÜV-Zertifizierung hat Gerüche vom Kochen schnell beseitigt und die Luft zügig und effizient von Feinstaub gereinigt. Lüften muss man trotzdem, da das Modell, wie alle anderen Luftreiniger auch, leider kein CO₂ in Sauerstoff umwandeln kann. Aber das, was er tun soll, kann er, – ohne dabei den Nutzern mit übermäßig lauten Geräuschen auf den Geist zu gehen. Im Nachtmodus arbeitet er flüsterleise und sorgt dabei trotzdem noch für eine gute Luft, die wesentlich frischer riecht als ohne Luftreiniger. Der Jya Fjord Pro muss sich also nicht hinter Geräten von Philips oder Xiaomi verstecken. Im Gegenteil: Im Schlafzimmer hat er uns von allen getesteten Luftreinigern sogar am besten gefallen, weil er nicht nur effizient und sehr leise zu Werke geht, sondern darüber hinaus seine Anzeige im Nachtmodus sogar komplett ausschaltet. Wer also auf wenig Schall- und Lichtemissionen Wert legt, ist mit dem Jya Fjord Pro bestens bedient.

Auch im Hinblick auf die Leistungsaufnahme weiß der Jya Fjord Pro zu überzeugen. Bei maximaler Lüftereinstellung beträgt sie knapp 62 Watt. Würde er damit das ganze Jahr ununterbrochen laufen, ergibt das bei einem kWh-Preis von 50 Cent Stromkosten in Höhe von etwas über 38 Euro. In der Praxis arbeitet der Smartmi-Luftreiniger allerdings nur selten mit Maximalleistung. Das ist etwa beim Kochen der Fall, wenn das Gerät einen starken Anstieg der Feinstaubkonzentration auf bis zu 600 ppm ermittelt (höhere Werte liefert die Anzeige nicht). Allerdings ebbt das mit über 60 dB durchaus laute Betriebsgeräusch bereits nach wenigen Minuten ab und pendelt sich sukzessiv wieder auf die während der Nachtstunden beobachteten Werte ein und ist dann mit unter 20 dB kaum zu hören. Die Leistungsaufnahme sinkt dann auf unter 3 Watt. Im Standby-Modus zieht er noch 1,1 Watt aus der Steckdose.
























Aktuell sind die zu Homekit kompatiblen Smartmi-Luftreiniger zu stark reduzierten Preisen erhältlich. So kostet das getestete Spitzenmodell Jya Fjord Pro (550 m³/h CADR) nicht mehr wie zur Einführung im Frühjahr 2022 499 Euro, sondern wechselt aktuell für 179 Euro den Besitzer. Zudem reduziert sich der Preis mit dem Rabattcode „EXTRA15OFF“ noch einmal um 15 Euro. Und im Bundle mit einem Ersatzfilter verlangt der Hersteller mit 199 Euro nur 20 Euro mehr. Attraktiv ist auch das Angebot mit zwei Ersatzfiltern für 229 Euro. Pro Filter zahlt man dann nur 25 Euro und erhält diese günstiger als im Einzelkauf. Sie kosten zwar nicht mehr wie zur Einführung 79 Euro, sind mit einem Rabatt von 50 Prozent für 39 Euro aber noch immer teurer als im Set.
























„Das Beste oder nichts“ war laut Mercedes bereits die Maxime von Gottlieb Daimler. Wer sich diese zu eigen macht und einen dementsprechenden Luftreiniger sucht, wird mit dem Jya Fjord Pro bestens bedient. In der Praxis hat sich das Gerät im mehrwöchigen Test sehr gut bewährt und die Luft effizient von Feinstaub und Gerüchen befreit. Dank eines komplett abschaltbaren Displays und seinem flüsterleisen Betrieb ist er auch für den Einsatz im Schlafzimmer geeignet. Und zu einem Preis von aktuell 164 Euro dürfte man kaum einen besseren Luftreiniger finden.

Weniger gut haben uns die Integrationsmöglichkeiten in ein Smart Home gefallen. Zwar unterstützt der Jya Fjord Pro Homekit, Google Assistant und Amazon Alexa, in eine Smart-Home-Zentrale wie Homey Pro, Samsung Smartthings oder Hornbach Smart Home lässt er sich allerdings nicht integrieren.



Heinz Duthel

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