Ex-FTX-Chef Sam Bankman-Fried: „Ich habe kein Geld gestohlen“


Sam Bankman-Fried, ehemaliger Chef der Pleite-Kryptobörse FTX, hat nun auch in einem eigenen Blog auf der Plattform Substack noch einmal seine Version des Untergangs seiner Börse geschildert. „Ich habe kein Geld gestohlen und auch ganz sicher keine Milliarden beiseitegeschafft“, erklärte er in dem Text. Nahezu sein gesamtes persönliches Vermögen stehe zur Entschädigung von FTX-Kunden bereit.

Zu den Ursachen der ganzen Pleite gehörten seiner Darstellung nach unter anderem nicht ausreichend abgesicherte Risikopositionen der eng mit FTX verwobenen Investmentfirma Alameda Research. Im Zuge des allgemeinen Marktabsturzes hätten Alamedas Vermögensanlagen dann 80 Prozent an Wert verloren. Dazu sei noch der rasante Verlust an Mitteln bei FTX gekommen, weil Anleger nach Tweets von Changpeng Zhao, Chef der Börse Binance, in Furcht vor einer Pleite ihr Geld abgezogen hätten. Dem sei eine monatelange PR-Kampagne Zhaos gegen FTX vorausgegangen, behauptet Bankman-Fried.

Bankman-Fried hielt dabei daran fest, dass der US-Ableger von FTX eigentlich komplett zahlungsfähig sein müsste. Und mit mehr Zeit, um Investoren zu suchen, hätte seiner Ansicht nach auch FTX noch im Geschäft sein können. Er sei aber von Anwälten zu einer Insolvenz gedrängt worden. Ähnliches hatte Bankman-Fried bereits in verschiedenen Interviews und Stellungnahmen vor seiner Verhaftung ausgebreitet. Auf die erhobenen Vorwürfe, dass bei FTX Kundengelder für riskante Wetten von Alameda Research veruntreut worden wären, ging er nicht ein.

Der von Sam Bankman-Fried gegründete FTX-Konzern war im Oktober 2022 wegen enormer Mittelabzüge im Zuge von Liquiditätssorgen binnen weniger Tage zusammengebrochen. Milliarden an Kundengeldern konnten nicht ausgezahlt werden. Bankman-Fried trat am 11. November zurück und beantragte im US-Bundesstaat Delaware Insolvenz für den Konzern.

Sam Bankman-Fried galt zuvor noch als das Wunderkind der Kryptobranche, stets im Dialog mit der Politik für eine Kryptoregulierung. Als er im Sommer für in die Klemme geratene Kryptokreditplattformen einsprang, zog die englischsprachige Finanzpresse schon Parallelen zum legendären US-Bankier John Pierpont Morgan. Vergleiche, die momentan wohl keiner mehr ziehen würde.

Am 12. Dezember wurde er auf Betreiben der US-Justizbehörden auf den Bahamas verhaftet, wo FTX den Hauptsitz hatte. Andere ehemalige FTX-Topmanager haben sich schuldig bekannt und den Konzerngründer schwer belastet. Bankman-Fried hingegen bekannte sich hingegen im Strafverfahren gegen ihn als unschuldig.

Durch die achtfache Anklage drohen Sam Bankman-Fried bis zu 115 Jahre Haft. Der Beginn des Gerichtssaalverfahrens gegen ihn ist auf den 2. Oktober angesetzt. Nach seiner Auslieferung in die USA kam Bankman-Fried gegen eine Kaution von 250 Millionen Dollar frei und kann sich im Haus seiner Eltern aufhalten.


(axk)

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Heinz Duthel

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