Inhaftierter Kremlkritiker: Sorge um Nawalnys Gesundheit


Stand: 13.01.2023 17:00 Uhr

Isolationshaft und Krankheit setzen dem Kremlkritiker Nawalny zu. Seine Anhänger sehen dies als Versuch, ihn zu zermürben. 600 russische Ärzte haben an Präsident Putin appelliert, ihm medizinische Hilfe zu gewähren.

Ob der Appell von mehr als 600 russischen Ärzten an Russlands Präsident Wladimir Putin half, dem erkrankten inhaftierten Kremlkritiker Alexej Nawalny medizinische Hilfe zukommen zu lassen – das bezweifelt der Moskauer Chirurg Alexander Wanjukow. Der Arzt, der sich zur Zeit im lettischen Riga aufhält, gehört zu den Initiatoren. Den offenen Brief auf den Weg zu bringen, sei das Mindeste, was man hätte tun können, auch wenn es eigentlich aussichtlos sei.

Stephan Laack

Im YouTube-Kanal „Populäre Politik“, der von Nawalny-Anhängern betrieben wird, meinte er: „Selbst wenn es eine Million Menschen sind, wird es keine offizielle Reaktion geben. Denn leider scheint es mir so zu sein, dass es diesen Leuten ziemlich egal ist, was man über sie denkt und was die Bürger dieses Landes im Allgemeinen denken.“

Immerhin hat sich der Zustand von Nawalny, der unter Fieber, Schüttelfrost und Husten gelitten haben soll, nicht weiter verschlechtert, wie sein Anwalt Wadim Kobsew mitteilte. Auch habe er mittlerweile Medizin bekommen und könne zwei Mal täglich heißes Wasser trinken.

„Buchstäblich ein Käfig“

Seit Sommer vergangenen Jahres verbüßt Nawalny eine neunjährige Lagerhaft in der Strafkolonie Melechowo, etwa 260 Kilometer nordöstlich von Moskau. Dass mit Beginn des Jahres nun wieder Isolationshaft verhängt wurde, ist für seine Sprecherin Kira Jarmysch eindeutig der Versuch, ihn zu zermürben. Das sei letztlich Folter, so Jarmysch im YouTube-Kanal des unabhängigen Senders Doschd, der in Russland gesperrt worden ist.

Sie haben zum Beispiel eine an Grippe erkrankte Person zu ihm in die Zelle gebracht, damit er sich ansteckt, und jetzt weigern sie sich, ihn zu behandeln. Dazu die ständigen Einweisungen in eine Strafzelle. Er ist jetzt zum zehnten Mal dort. Sie wollen es ihm so schwer wie möglich machen, denn seine Zelle ist dort zwei mal drei Quadratmeter groß. Es ist ein winziger Käfig für einen Mann seiner Größe. Es ist buchstäblich ein Käfig, in dem man sich nicht bewegen kann. Man kann nicht gehen, nur stehen oder sitzen. Man kann sich noch nicht einmal hinlegen.

Oftmals reichen geringfügige Anlässe aus, um in Isolationshaft zu geraten, beispielsweise Verstöße gegen den vorgeschriebenen Tagesablauf wie zu frühes Aufstehen. Trotz allem lässt Nawalny sarkastische Kommentare zu seiner eigenen Situation über seinen Anwalt Kobsew verbreiten. Nach Silvester ließ er etwa mitteilen, erstmals seit seiner Kindheit habe er Neujahr verschlafen, weil die Bestimmungen in der Isolationszelle Bettruhe ab 21 Uhr vorsehen. Andere Menschen würden viel Geld für ein ungewöhnliches Silvesterfest bezahlen – er bekäme das umsonst.

Nawalny sitzt wegen angeblichen Betrugs unter besonders harten Haftbedingungen im Straflager. 2020 war im sibirischen Tomsk ein Giftanschlag auf ihn verübt worden, den er nur knapp überlebte. Als er von der Behandlung in der Berliner Charité nach Russland zurückkehrte, wurde er umgehend festgenommen und in umstrittenen Verfahren zu insgesamt neun Jahren Haft verurteilt. Die Haftstrafe gegen ihn wurde international als politisch motiviert kritisiert.

Nach wie vor Sorge um Nawalnys Gesundheitszustand

Stephan Laack, ARD Moskau, 13.1.2023 · 15:49 Uhr



Heinz Duthel

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