Kampfpanzer-Lieferung: Was den „Leopard“ so besonders macht




FAQ

Stand: 24.01.2023 20:50 Uhr

Lange hatte die Ukraine um eine „Leopard“-Lieferung gebeten. Der Kampfpanzer könnte nun bei der Gegenoffensive der Ukraine eine wichtige Rolle spielen. Was ihn so besonders macht. Ein Überblick.

Warum hat die Ukraine den „Leopard“-Panzer so dringend gefordert?

Die Bundesregierung wird die geplante Lieferung von „Leopard“-Panzern wohl am Mittwoch bekannt geben. Vom ersten Kriegstag an hat die Ukraine die russischen Angreifer mit ihren militärischen Fähigkeiten überrascht: Der Vormarsch wurde gestoppt und im Lauf der inzwischen elf Kriegsmonate auch zurückgedrängt. Aber Russland stellt sich nun mit neuen gepanzerten Kräften für einen erwarteten großen Vorstoß auf, bei dem die Ukraine schwere Verluste erleiden oder weitere Gebiete verlieren könnte. Der frühere NATO-General Hans-Lothar Domröse etwa erwartet, wie andere Experten auch, „eine fürchterlich blutige Frühjahrsoffensive“.

Welche Kampfpanzer hat die Ukraine bisher und was können die „Leopard“-Panzer besser?

Die Ukraine hat aus eigenen Beständen und von Ringtausch-Partnern Hunderte Schützenpanzer sowie Kampfpanzer aus sowjetischer Entwicklung. Darunter sind ältere Kampfpanzer wie T-72 oder T-80 und – als Beute-Panzer, von russischen Truppen zurückgelassen – auch das Folgemodell T-90. Westliche Kampfpanzer, hier vor allem der „Leopard“, sollen nun die Fähigkeit der Ukraine zur Offensive erhöhen, also zur Rückeroberung besetzter Gebiete.

Diese Panzer sind vor allem in den moderneren Versionen dem russischen Gerät überlegen und können den Gegner im Kampf zerstören. Der „Leopard“ gilt unter Fachleuten dafür in seiner jeweiligen Generation als bester Kampfpanzer weltweit.

Der ehemalige Oberkommandierende der US-Armee in Europa, Ben Hodges, machte im US-Radiosender NPR deutlich, dass die Ukraine damit zu einem Schlag gegen den von Russland eroberten Korridor vom Donbass zur annektierten Halbinsel Krim ausholen könnte. Dazu könne die Ukraine mit westlichen Kampfpanzern einen schwer gepanzerten Verband bilden, „die Speerspitze einer Truppe, die die russischen Linien in Richtung Mariupol durchbrechen könnte“. Und auch generell könne der Infanterie mit solchen Kampfpanzern der Weg zum Vormarsch geebnet werden.

Kann die Bundesregierung „Leopard“-Panzer den „Leopard“ noch rechtzeitig liefern?

In Deutschland stehen „Leopard“-Panzer in den Werkstätten und Lagern der Industrie sowie bei der Bundeswehr. Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte dem „Stern“, bis Ende März seien rund 29 Kampfpanzer „Leopard 2A4“ einsatzbereit, die für den Ringtausch mit Tschechien und der Slowakei vorgesehen sind. Weitere „Leopard“ einsatzbereit zu machen, dauert demnach.

Die Bundeswehr hatte im Kalten Krieg mehr als 2100 „Leopard 2“ im Bestand, die im Zuge der Abrüstung verkauft, weggegeben oder zerstört wurden. Im vergangenen Jahr verfügte die Bundeswehr noch über 312 „Leopard 2“-Panzer, darunter aber kein einziges Modell der älteren Version „Leopard 2A4“, die nun für die Ukraine in den Blick genommen wird. Als noch am ehesten verzichtbar für die Bundeswehr gelten 19 Stück in der Version „Leopard 2A5“. Sie werden derzeit im Gefechtsübungszentrum zur „Darstellung gegnerischer Kräfte“ genutzt, sollen bei Ausbildungen also den Feind darstellen.

Gibt es noch andere Kampfpanzer, die für die Ukraine von Bedeutung sind?

Großbritannien hat schon angekündigt, den „Challenger 2“ an Kiew geben zu wollen. Für den Einsatz der Waffensysteme ist es aber von Vorteil, wenn das Gerät möglichst einheitlich ist. Für die Instandsetzung muss das Großgerät womöglich sogar wieder aus der Ukraine herausgefahren werden. So haben der Panzerbauer KMW und das deutsche Verteidigungsministerium ein Werkstattzentrum („Hub“) im Grenzgebiet der Slowakei zur Ukraine aufgebaut, um Systeme wie die Panzerhaubitze 2000 nach dem Fronteinsatz zu reparieren und Verschleißteile auszutauschen.

Wie viele „Leopard“-Panzer stehen zur Verfügung?

Der US-Sender ABC News berichtete am Dienstag unter Berufung auf einen ukrainischen Regierungsvertreter, dass zwölf Staaten grundsätzliche Bereitschaft zur Lieferung von „Leopard“-Panzern signalisiert hätten, darunter auch Spanien, die Niederlande und Dänemark. Insgesamt stehe schon damit eine Zahl von 100 „Leopard“ zur Verfügung, wird die ukrainische Seite zitiert. Die Zusicherungen seien bereits in der vergangenen Woche bei den Ukraine-Gesprächen in Ramstein gemacht worden.

Nimmt man die Zahlen, müssten praktisch alle europäischen „Leopard“-Nutzer außer der Türkei ihre Bereitschaft signalisiert haben. Polen hat die Karten schon auf den Tisch gelegt: Die von dort zur Lieferung beantragten 14 „Leopard 2A4“ sind von der Zahl her ausreichend für die Ausstattung einer Kompanie. Der „Leopard“-Hersteller Krauss-Maffei Wegmann hat bisher deutlich über 3500 „Leopard 2“ gebaut, wobei der Großteil von Ländern zur eigenen Verteidigung eingeplant ist.

Wie steht die NATO zu dem Vorhaben?

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte am Dienstag die zügige Lieferung neuer Waffen, wobei „schwerere und fortschrittlichere Systeme“ nötig seien, wie er es ausdrückte. Der Norweger sagte: „Der einzige Weg zu einem dauerhaften Frieden besteht darin, Putin klar zu machen, dass er auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen wird.“ Kritiker warnen vor einer weiteren Eskalation.

Wie ist die Stimmung unter der Bevölkerung in Deutschland?

Eine Lieferung von „Leopard“-Panzern an die Ukraine ist laut DeutschlandTrend für das ARD-Morgenmagazin von vergangenem Donnerstag in der deutschen Bevölkerung umstritten. 46 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, fast ebenso viele sind dagegen (43 Prozent). Die verbleibenden elf Prozent können oder wollen sich nicht festlegen.



Heinz Duthel

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