Moderne CT-Scans gegen lange Schlangen an Flughäfen


Aufgrund eines mehr als doppelt so hohen Passagierdurchsatzes pro Kontrollspur am Flughafen Frankfurt will der Flughafenbetreiber Fraport mit röntgen-basierter Technik – mit der neben 2D- auch 3D-Bilder gemacht werden – schnell Gegenstände wie Waffen und feste und flüssige Sprengstoffe erkennen. Die Flüssigkeitsbeschränkungen im Luftverkehr waren 2006 zur Terrorabwehr eingeführt worden. Zur Bildanalyse kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz. Der Vorteil an den CT-Scannern ist, dass Flüssigkeiten und elektronische Geräte nicht mehr aus dem Handgepäck genommen werden müssen.

Sieben Geräte zweier unterschiedlicher Hersteller stehen bereits im Terminal 1, weitere 20 sollen im laufenden Jahr hinzukommen, kündigte Fraport-Chef Stefan Schulte an. Das ist bei 186 Kontrollspuren in den beiden bestehenden Passagier-Terminals allerdings nur ein Anfang. Zusammen mit den Umsteigern aus sicheren Herkunftsorten und den Aussteigern sind 2022 knapp 50 Millionen Passagiere am größten deutschen Flughafen abgefertigt worden.

Auch das für 2026 geplante Terminal 3 muss mit weiteren Scannern ausgestattet werden. Die Geräte durchleuchten das Handgepäck mit neuartigen CT-Scans. Statt weniger unscharfer Aufsichtsbilder liefern sie ohne Tempoverlust hunderte Aufnahmen des Gepäckstücks, was am Kontrollschirm drei dimensionale Ansichten und die schichtweise Durchleuchtung des Tascheninhalts ermöglicht. Zudem können auch mehrere Gepäckstücke gleichzeitig gescannt werden.

Wie beim Einsatz der privaten Kontrollkräfte will Fraport auch bei der Technik für mehr Konkurrenz sorgen: Bislang kamen ausschließlich Produkte des britischen Mischkonzerns Smiths Detection mit seinem Werk in Wiesbaden zum Einsatz. Nun wird auch eine Kontroll-Linie des zum Toyota-Konzern gehörenden Konkurrenten Vanderlande eröffnet, der den „ClearScan“-Scanner des Herstellers Leidos verwendet. Erstmals sitzen bei dieser Linie die Bild-Kontrolleure nicht mehr direkt im Trubel, sondern können die Scans in einem separaten Raum betrachten. Dadurch, dass das Gepäckhandling und das „Remote Screening“ automatisch stattfindet, sei weniger Personal erforderlich.

Dass derartige Scanner in Flughäfen eingesetzt werden, ist nicht neu. Erst Ende des Jahres hatte die Regierung im Vereinigten Königreich angekündigt, dass die Technologie bei allen großen britischen Flughäfen bis Juni 2024 vorhanden sein soll. Ebenso hatte der Flughafen München im November 2022 die Anschaffung von 60 neuartigen CT-Scannern für Anfang 2023 angekündigt. Ursprünglich sollten diese Geräte schon 2020 eingeführt werden.

Die neu eingeführten CT-Scanner sollen die Abfertigung des Gepäcks bei der Sicherheitskontrolle beschleunigen. Das hat nicht zuletzt Hauptkunde Lufthansa angesichts der teilweise chaotischen Zustände in den Ferienzeiten immer wieder gefordert. „Spätestens der Sommer 2022 hat gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte Spohr. Seit drei Wochen steuert der Betreiber die privaten Sicherheitskräfte selbst und will zudem die Anschaffung neuartiger Gepäckscanner schneller voranbringen, wie Flughafenchef Stefan Schulte erläuterte. Bis zur Jahreswende hatte die Organisation der Kontrollen in den Händen der Bundespolizei gelegen, die jetzt nur noch die sicherheitspolitische Aufsicht führt.

Mit veralteter Technik bei gleichzeitig hohen Gebühren waren die deutschen Flughäfen in den vergangenen Jahren im europäischen Vergleich ins Hintertreffen geraten. Im vergangenen Sommer hatte es auch in Köln, Düsseldorf oder Berlin lange Warteschlangen vor den Kontrollstellen gegeben. Frankfurt ist der erste deutsche Flughafen, der die Steuerung von der Bundespolizei übernimmt. „Die Reisenden haben herbe Enttäuschungen erlebt“, sagte Faeser, die keine Abstriche bei der Sicherheit machen will. „Wir bauen hier kein Personal ab“, sagte die SPD-Politikerin. Die Bundespolizei müsse sich künftig weniger um die Steuerung der Kontrolleure kümmern, sondern könne sich der Qualitätssicherung und polizeilichen Aufgaben widmen.

Alternativ sei es auch möglich, dass die Länder nach Münchner Vorbild selbst die Organisation der Kontrollen übernähmen. Hier sei das Interesse bislang aber begrenzt, berichtete die Innenministerin. München wird von einer Landesbehörde gesteuert und hat ebenfalls ein großes Beschaffungsprogramm für die neuen Gepäckscanner gestartet. Im vergangenen Jahr wurden am größten deutschen Flughafen in Frankfurt rund 16 Millionen zusteigende Passagiere und ihr Handgepäck kontrolliert, wie die Fraport berichtete. Darunter waren rund 3,5 Millionen Umsteiger, die von Flughäfen kamen, die nicht den höchsten internationalen Sicherheitsanforderungen entsprechen.


(mack)

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Heinz Duthel

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