Nach Tod von umstrittenen Kardinal: Skandalveröffentlichung überschattet Trauerfeier


Stand: 15.01.2023 02:01 Uhr

Papst Franziskus hat im Petersdom die Totenmesse für den verstorbenen australischen Kardinal Pell gelesen. Die Trauerfeier wurde durch neue Enthüllungen über den umstrittenen Kirchenmann überschattet.

Im Petersdom in Rom ist die Totenmesse für den verstorbenen australischen Kardinal George Pell gefeiert worden. Papst Franziskus sprach den letzten Segen für seinen einstigen Berater – wie für Kardinäle üblich auf Latein. Die Messe feierte der italienische Kardinal Giovanni Battista Re in seiner Funktion als Dekan des Kardinalskollegiums. Pell starb am 10. Januar im Alter von 81 Jahren kurz nach einer Hüftoperation in einem Krankenhaus in Rom.

Als bisher ranghöchster katholischer Geistlicher wurde George Pell in seinem Heimatland Australien wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Im Jahr 2020 wurde er jedoch im Berufungsverfahren nach rund 13 Monaten Haft freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen. Pell galt als ein enger Berater von Papst Franziskus. Der Pontifex ernannte den Australier 2014 zum Präfekten des neu geschaffenen Wirtschaftssekretariats der Römischen Kurie – so sein offizieller Titel als Finanzchef. 

Pell kritisierte Franziskus scharf

Unmittelbar nach Pells Tod wurde bekannt, dass der Kardinal der Verfasser eines Schriftstücks war, das seit Monaten im Vatikan bekannt war. Der Verfasser kritisierte in dem Text das Pontifikat von Franziskus als „Katastrophe“. In einem weiteren Artikel, den Pell wenige Tage vor seinem Tod geschrieben haben soll und den das Magazin „The Spectator“ veröffentlichte, verurteilte er auch die Diskussion über Themen wie die Kirchenlehre zur Sexualität und der Rolle von Frauen unter Einbeziehung katholischer Laien als „toxischen Alptraum“.

In dieser Woche erschien zudem in dem britischen Magazin „The Spectator“ ein noch von Pell verfasster Artikel, in dem der konservative Kirchenmann die derzeit laufende Weltsynode als „toxischen Alptraum“ bezeichnete. Die Synode ist eines der wichtigsten Projekte von Franziskus – der Papst will die katholische Kirche fit machen für die Zukunft und hat dafür Einschätzungen und Lageberichte aus allen Ländern eingefordert. Pell galt früher als Vertrauter von Franziskus. Der Papst nannte seinen ehemaligen Finanzchef im Dezember noch einen «großartigen Menschen», dem man viel schulde.

Gänswein bei Trauerfeier

Unter den Teilnehmern der Feierlichkeiten im Petersdom war ein weiterer ranghoher Prälat des Vatikans, der in den vergangenen Tagen Kritik an Franziskus übte: der deutsche Erzbischof Georg Gänswein. Es ist wie Pell ein entschiedener Verfechter der eher konservativen Fraktion der Kirchenhierarchie und ein langjähriger Mitarbeiter von Papst Benedikt XVI. Gänswein beschwerte sich in einem Buch darüber, wie er von Franziskus behandelt wurde, nachdem Benedikt 2013 in den Ruhestand getreten und Franziskus zu seinem Nachfolger gewählt worden war.



Heinz Duthel

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