Proteste in Peru: Erneut gewalttätige Ausschreitungen


Stand: 25.01.2023 10:44 Uhr

Die Unruhen in Peru dauern an: Unter anderem in Lima hat es erneut schwere Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten gegeben. Menschenrechtler kritisierten, dass es international nur wenige Reaktionen gebe.

Bei Protesten in Peru nach der Amtsenthebung und Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Pedro Castillo ist es erneut zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. „Wir bedauern, dass die Zahl der Verletzten weiter steigt und dass die Proteste mit Gewalt ausgetragen werden“, hieß es in einem Tweet des Ombudsmanns für Menschenrechte in der Hauptstadt Lima, Alberto Huerta, am Dienstagabend.

Demnach wurden mehr als 13 Verletzte in verschiedene Krankenhäuser gebracht, mehrere Personen festgenommen. Mehr als 6800 Sicherheitskräfte waren dem peruanischen Sender „RPP Noticias“ zufolge im Zentrum Limas im Einsatz. Die Polizei setzte Tränengas ein, Regierungsgegner schleuderten Steine.

Boluarte ruft zu „Waffenstillstand“ auf

Perus Präsidentin Dina Boluarte rief alle an den Unruhen beteiligten Gruppierungen zu einem „Waffenstillstand“ auf. So könnten Dialogtische eingerichtet und eine Agenda für jede Region festgelegt und entwickelt werden.

Das Recht auf Protest dürfe nicht mit Gewalt, Zerstörung und Tod einhergehen, sagte Boluarte laut einem Bericht des spanischsprachigen Senders CNN en Espanol. Sie lud die Kommission für Menschenrechte ein, die Vorfälle zu untersuchen.

Menschenrechtler: Wenig internationale Reaktionen

Seit Beginn der Proteste im Dezember kamen in dem südamerikanischen Land bereits mehr als 50 Menschen ums Leben. Menschenrechtler in Peru warfen der Weltgemeinschaft vor, ihr Land dennoch weitgehend vergessen zu haben. Das Schweigen großer Teile der Staaten in der Region und im Rest der Welt hinterließe den Eindruck, „dass wir alleine sind“, kritisierte Jennie Dador, Exekutivsekretärin des peruanischen Koordinators für Menschenrechte. „Keiner der Staaten in der Region hat irgendwas Konkretes getan.“

Die Demonstranten, viele aus dem armen Süden des Landes, fordern den Rücktritt von Übergangspräsidentin Dina Boluarte, die Auflösung des Kongresses und die Freilassung des inhaftierten Ex-Präsidenten Castillo. Er wollte im Dezember einem Misstrauensvotum zuvorkommen und den Kongress auflösen. Das Parlament enthob ihn daraufhin des Amtes. Er wurde wegen des Vorwurfs eines versuchten Staatsstreichs festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Peru – Demokratie auf dem Prüfstand

Paula Kersten, DLF, 22.1.2023 · 18:25 Uhr



Heinz Duthel

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