Roboterjournalismus: Dutzende Artikel bei US-Newsportal von KI verfasst


Das US-Nachrichtenportal CNET hat seit Wochen Artikel veröffentlicht, die von einer KI verfasst wurden und das nur etwas versteckt deutlich gemacht. Das hat ein SEO-Experte auf Twitter publik gemacht und inzwischen hat CNET die Praxis angepasst. So war angegeben, dass die Artikel vom „CNET Money Staff“ (also etwa dem Personal für Finanzthemen) verfasst wurden, inzwischen steht darüber nur noch „CNET Money“, also keine Formulierung, die auf Menschen hindeutet. Klickt man auf den zugehörigen Link, steht auf der Informationsseite lediglich noch: „Dieser Artikel wurde von einem KI-Werkzeug erstellt und von unserem Redaktionsteam überprüft sowie redigiert.“ Vorher stand dort eine deutlich längere Erklärung und Zusicherung, dass der Umgang mit der Technik verantwortungsvoll erfolgt.

Publik gemacht hat das Vorgehen der SEO-Experte Gael Breton auf Twitter, der vor allem darauf hinweist, dass einige der Artikel über Google sehr häufig besucht wurden. Dabei hieß es noch im Sommer von der Suchmaschine, dass automatisch erstellte Inhalte als Spam angesehen und entsprechend in den Suchergebnissen herabgestuft würden. „Sind KI-Inhalte jetzt in Ordnung?“, fragt Breton deshalb. Ein Klick auf die zugehörige Autorenseite bei CNET zeigt, dass das Portal seit dem 11. November solche KI-Inhalte veröffentlicht hat. Es handelt sich um Ratgeber-Artikel, in denen spezielle Fragen zu Finanzthemen beantwortet werden. Jeweils ist angegeben, wer die Texte geprüft hat.

Automatisiert erstellte Artikel sind nicht neu, mit dem Aufkommen besonders eindrucksvoller Werkzeuge wie ChatGPT hat das Thema zuletzt aber Relevanz gewonnen. Bereits seit 2014 lässt die Nachrichtenagentur Associated Press Meldungen zu Geschäftsberichten automatisch erstellen, schon vorher ließ die Los Angeles Times Meldungen zu Erdbeben automatisiert verfassen. Dabei handelt es sich aber um stark standardisierte Formate, in denen lediglich bestimmte Zahlen und Begriffe an dafür vorgesehenen Stellen in die Textbausteine eingefügt werden. CNET hat nun aber die kompletten Texte zu deutlich vielfältigeren Themen erstellen lassen. Unklar ist, wie die Branche darauf reagiert.

Erst kurz vor Weihnachten hat in Deutschland das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kritisiert, dass von Robotern geschriebene Texte bislang nicht als solche gekennzeichnet werden. Damit werde der etablierte Standard im deutschen Medienwesen ausgehöhlt, die Autorenschaft journalistischer Texte anzugeben und auch Agenturmeldungen als solche zu kennzeichnen. Durch eine aufkommende Praxis, Verfasser und Quellen nicht zu benennen, „könnte die Bedeutung der Autorenschaft im Journalismus sinken“. Die Leser seien so auch nicht imstande, die Qualität der Texte auch im Vergleich zu von Menschen geschriebenen Beiträgen zu bewerten. Die Forderung ist nicht neu, schon 2018 kam die Forderung nach einer Kennzeichnung solcher Texte auf.


(mho)

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Heinz Duthel

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