Statistisches Bundesamt: Großteil der Seltenen Erden kommt aus China


Stand: 24.01.2023 11:33 Uhr

Seltene Erden sind für die Produktion von Akkus und Halbleitern unverzichtbar. Laut Statistischem Bundesamt importiert Deutschland etwa zwei Drittel von ihnen aus China – und macht sich damit in hohem Maße abhängig.

Deutschland ist bei Seltenen Erden in hohem Maße von Lieferungen aus China abhängig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis November 2022 rund 5300 Tonnen dieser Rohstoffe im Wert von 49,3 Millionen Euro importiert.

Rund zwei Drittel aus China

65,9 Prozent der begehrten Metalle – also rund zwei Drittel – stammten dabei aus China. Bei einigen der Seltenen Erden lag der Anteil der Importe aus Fernost demnach sogar noch höher.

So wurden die Metalle Scandium und Yttrium zu 94,4 Prozent aus China importiert. Verbindungen von Lanthan, Neodym, Praseodym und Samarium – die mengenmäßig einen großen Anteil an den importierten Seltenen Erden ausmachen – stammten zu 75,4 Prozent aus der Volksrepublik. Seltene Erden sind unter anderem für Akkus, Halbleiter oder Magneten in Elektroautos unverzichtbar.

Anteil aus China seit 2021 gestiegen

Schon 2021 war China das wichtigste Herkunftsland Seltener Erden für den deutschen Markt. Knapp 3800 Tonnen im Wert von 13,2 Millionen Euro wurden aus Fernost eingeführt, was einem Anteil von 66 Prozent entspricht.

Danach folgten Österreich mit anteilig 21 Prozent und Estland mit sechs Prozent. „Aus Schweden – dem Staat mit einem kürzlich entdeckten und bislang vermutlich größten in Europa bekannten Vorkommen an Seltenen Erden – wurden im Jahr 2021 keine dieser Metalle nach Deutschland eingeführt“, so das Statistikamt.

Die Importmenge insgesamt hat in den vergangenen Jahren zwar stark abgenommen, der Wert aber nicht: 2016 führte Deutschland noch 9700 Tonnen Seltene Erden ein, ihr Wert betrug 50,1 Millionen Euro.

Seltene Erden

Als Seltene Erden werden insgesamt 17 metallische Grundstoffe bezeichnet, darunter Scandium, Yttrium und Lanthan. Die Elemente haben außergewöhnliche Eigenschaften und gelten etwa für Metalllegierungen und Spezialgläser als unentbehrlich. In vielen Schlüsseltechnologien spielen sie eine wichtige Rolle. Die Bandbreite ihrer Verwendung reicht von Batterien über Mobiltelefone, Laser, Flachbildschirme bis hin zu Luftwaffensystemen. Auch für die Herstellung von Hybrid-Fahrzeugen sind die Rohstoffe wichtig.

Die Grundstoffe selbst sind nicht selten, einige kommen sogar häufig vor. Allerdings liegen die bekannten Vorkommen zu einem Großteil in China und werden auch fast ausschließlich dort abgebaut. Da China die Rohstoffe lange vergleichsweise günstig anbot, lohnte sich die eigene Förderung für viele Industriestaaten nicht. Einige Minen wurden sogar wieder geschlossen.

Abhängigkeit von China „alarmierend“

Politik und Wissenschaft sind angesichts der enormen Abhängigkeit von China alarmiert. Russland habe „drastisch vor Augen geführt, wie die Rohstoffabhängigkeit von autokratischen Regimen als politisches Druckmittel benutzt werden kann und welche schwerwiegenden wirtschaftlichen Konsequenzen diese Abhängigkeit hat“, sagte der Leiter der Abteilung Weltwirtschaft im DIW, Lukas Menkhoff, angesichts stark reduzierter Energielieferungen nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters.

Um solche Abhängigkeiten zu verringern, helfen dem DIW zufolge keine Einzelaktionen, sondern nur ein ganzes Bündel an Maßnahmen. So sollte auf mehr Lieferländer gesetzt werden: Seltene Erden könnten zusätzlich über Brasilien, Indien und Australien bezogen werden.

Empfohlen wird auch, die Lagerhaltung um verpflichtende Mindestreserven zu ergänzen. Auch sollte die Beschaffung relevanter Rohstoffe europaweit gebündelt werden, um der Marktmacht der wenigen Anbieter etwas entgegenzusetzen.



Heinz Duthel

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