Urteil im Iran : Ex-Politiker Akbari hingerichtet


Stand: 14.01.2023 10:32 Uhr

Im Iran ist ein der frühere Vize-Verteidigungsminister Akbari wegen Spionagevorwürfen hingerichtet worden. Er besaß auch die britische Staatsangehörigkeit. Die Regierung in London droht jetzt mit Konsequenzen.

Der Iran hat den wegen Spionage verurteilten früheren Vize-Verteidigungsminister Ali Reza Akbari hingerichtet. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur Misan.

Akbari, der sowohl die iranische wie die britische Staatsangehörigkeit besaß, habe laut den Vorwürfen für den britischen Geheimdienst MI-6 gearbeitet und gegen Geldzahlungen Geheimnisverrat begangen. Ihm war „Korruption“ und „Gefährdung der inneren und der äußeren Sicherheit des Landes wegen der Weitergabe von Informationen“ vorgeworfen worden.

Großbritannien droht mit Konsequenzen

Nach der Hinrichtung droht Großbritannien dem Iran mit Konsequenzen. Er sei entsetzt, twitterte der britische Premierminister Rishi Suna. „Dies war eine gefühlloser und feiger Akt, ausgeführt von einem barbarischen Regime, das die Menschenrechte seines eigenen Volkes nicht respektiert.“ Außenminister James Cleverly sprach von einem „gefühllosen Akt“, der Folgen haben müsse.

Akbari hatte die Vorwürfe bestritten

In einer von der BBC am Mittwoch gesendeten Aufnahme erklärte Akbari, er habe die von ihm nicht begangenen Verbrechen nach schwerer Folter gestanden. Großbritannien hatte bereits zuvor den Iran aufgefordert, die Hinrichtung zu stoppen. Außenminister Cleverly hatte sie als „politisch motiviert“ bezeichnet.

In iranischen Medien war am Donnerstag verbreitet worden, Akbari habe eine Rolle bei dem Mord an dem Atomwissenschaftler Mohsen Fachrisadeh 2020 gespielt. Dabei war auch ein Video ausgestrahlt worden, in dem Akbari erklärt, in den Mord nicht verwickelt gewesen zu sein. Allerdings habe ein britischer Spion ihn über Fachrisadeh befragt.

An Verhandlungen im Iran-Irak-Krieg beteiligt

Akbari hatte eine private Denkfabrik geleitet. Er stand Ali Schamchani nahe, einem leitenden Sicherheitsbeamten im Iran, wurde aber seit 2019 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

1988 war Akbari nach dem acht Jahre dauernden Krieg zwischen Iran und Irak für die Umsetzung einer Waffenruhe zuständig und arbeitete dabei eng mit UN-Beobachtern zusammen.

Beobachter halten es für möglich, dass das gegen Akbari verhängte Todesurteil auch auf einen Machtkampf innerhalb des iranischen Sicherheitsapparats hindeuten könnte.

Fast 20.000 Festnahmen seit Beginn der Proteste

Die iranische Regierung beschuldigt seit Monaten ausländische Staaten, für die landesweiten Proteste nach dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini nach deren Festnahme durch die Sittenpolizei im September verantwortlich zu sein.

Die gegen die Regierung gerichteten Proteste sind eine der größten Herausforderungen für die Islamische Republik seit deren Gründung 1979. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten im Iran wurden mindestens 520 Demonstranten und Demonstrantinnen getötet und mehr als 19.300 festgenommen. Mehrere Menschen wurden bereits hingerichtet.



Heinz Duthel

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