Verluste an der Nasdaq: Wall Street ohne Elan




Marktbericht

Stand: 24.01.2023 22:27 Uhr

An der Wall Street konnten vor allem die Tech-Aktien nicht an den Aufschwung vom Vortag anknüpfen. Neue Unternehmensdaten fielen zudem gemischt aus, so dass keine Aufbruchstimmung aufkam.

Der Handelstag in New York stand ganz im Zeichen einer Flut von Firmenbilanzen. Damit erreichte die laufende Berichtssaison ihren ersten Höhepunkt. Zahlreiche Schwergewichte aus dem Leitindex Dow Jones wie etwa Johnson & Johnson, Verizon, 3M, aber auch Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin oder Rathyeon legten ihre Zahlen für das abgelaufene Quartal vor.

„Nicht überragend, aber auch nicht beunruhigend – so lässt sich der bisherige Verlauf der Berichtssaison in den USA wohl am besten beschreiben“, sagte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst beim Brokerhaus CMC Markets. Auch in den kommenden Tagen dürften die Zahlen und vor allem die Ausblicke der Unternehmen das Börsengeschehen maßgeblich mitbestimmen.

Warten auf die Tech-Aktien

Am Ende des Tages schloss der Leitindex Dow Jones um 0,31 Prozent im Plus bei 33.731 Punkten. Erst nach Börsenschluss werden die Zahlen von Softwareriese Microsoft und Chiphersteller Texas Instruments erwartet. Nach den guten Netflix-Zahlen vom vergangenen Freitag herrschte zuletzt an der Technologiebörse Nasdaq wieder mehr Zuversicht. Heute allerdings ging es um 0,27 Prozent wieder abwärts. Der S&P-500-Index schloss nahezu unverändert bei 4016 Punkten.

Die Gewinne der Tech-Riesen könnten Analysten zufolge darüber entscheiden, ob die neu entflammte Begeisterung für Wachstumswerte anhalten wird. „Kurzfristig scheint die Antwort in den Bilanzen zu liegen. Langfristig erwarten wir einen starken positiven Kaufimpuls für Technologiewerte, falls die US-Notenbank Fed dieses Jahr zu Zinssenkungen übergeht“, schrieben die Experten der US-Investmentbank JP Morgan.

Starke Kursschwankungen – Computerfehler?

Die Aktien mehrerer großer US-Unternehmen wie Verizon, Morgan Stanley, Visa oder Wells Fargo waren zum Handelsauftakt steil und heftig auf Talfahrt gegangen. Ebenso rasch und deutlich setzte die Erholung ein. Die Kursentwicklung erinnerte an frühere Fälle, bei denen Computerfehlfunktionen zu plötzlichen Kursverzerrungen geführt hatten.

Die Morgan-Stanley-Aktie etwa sackte im S&P 100 zum Handelsstart um über zwölf Prozent ab und erholte sich dann sofort wieder. „Das ist ein wenig besorgniserregend“, sagte Edward Moya, Marktanalyst beim Broker Oanda. „Das sind nicht die typischen Meme-Aktien, die leicht zu manipulieren wären. Das sind Morgan Stanley, Verizon, AT&T, also Giganten.“ Er halte dies daher nicht für ein normales technisches Problem.

In einer knappen Stellungnahme räumte die Nyse Probleme beim Handelsstart einiger Aktien ein. Eine Untersuchung dazu laufe noch. Der Handel war zwischendurch auch kurz unterbrochen.

Johnson & Johnson leidet unter dem starken Dollar

Weniger verkaufte Covid-Impfdosen und der starke Dollar haben den Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson aus dem Leitindex Dow Jones im Schlussquartal des vergangenen Jahres ausgebremst. Während das US-Geschäft anzog, musste der Konzern in seinen internationalen Märkten kräftige Einbußen verkraften.

Auf die vollen zwölf Monate gesehen stieg der Konzernumsatz 2022 nur leicht im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 95 Milliarden Dollar (rund 87 Milliarden Euro), wie Johnson & Johnson vor Börsenstart mitteilte. Unter dem Strich brach der Gewinn um 14 Prozent auf knapp 18 Milliarden Dollar im Gesamtjahr ein.

Für 2023 stellt der Vorstand um Firmenlenker Joaquin Duato die Investoren auf weiter gedrosseltes Umsatzwachstum ein. Demnach soll der Erlös bei 96,9 bis 97,9 Milliarden Dollar herauskommen. Für Johnson & Johnson stehen Marken wie Penaten, Carefree, Listerine oder Nicorette.

Schwieriges Quartal für Microsoft

Ein Rekordeinbruch der PC-Absätze und Anlaufkosten für neue Produkte verhageln Microsoft die Bilanz. Der Software-Konzern gab am Abend nach Börsenschluss für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2022/2023 ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 52,7 Milliarden Dollar bekannt. Analysten hatten im Schnitt mit 52,94 Milliarden Dollar gerechnet. Das ist das geringste Wachstum seit Jahren.

Beim bereinigten operativen Ergebnis von 2,32 Dollar lag der Riese allerdings leicht über den Erwartungen von 2,30 Dollar. Der Beratungsfirma Gartner zufolge ging der weltweite Absatz von Laptops und Desktop-PCs, der während der Coronavirus-Pandemie geboomt hatte, zum Jahresende 2022 um fast 29 Prozent zurück.

Die Cloud-Sparte von Microsoft wuchs weiteren Angaben zufolge zwar um 31 Prozent. Das liegt im Rahmen der Erwartungen und so niedrig wie noch nie seit 2015. Damals wurden die Zahlen für diesen Geschäftsbereich erstmals separat aufgeschlüsselt. Die Anleger waren trotzdem zufrieden, die Aktie legte in einer ersten Reaktion nachbörslich deutlich um über vier Prozent zu.

TI mit durchwachsenem Ausblick

Texas Instruments behält für das seinen pessimistischen Ausblick bei. Der Infineon-Rivale mit Sitz in Dallas gab am Abend nach US-Börsenschluss eine Umsatz-Vorhersage für das laufende Quartal von 4,17 bis 4,53 Milliarden Dollar bekannt. Im Mittel ist das unter den Vorhersagen der befragten Experten von 4,4 Milliarden. Im abgelaufenen Quartal sank der Umsatz unter anderem wegen der Corona-Beschränkungen im wichtigen Produktionsland und Absatzmarkt China um drei Prozent auf knapp 4,7 Milliarden Dollar.

TI hatte sich im Oktober angesichts der Konjunkturflaute pessimistisch gezeigt. Der US-Konzern gilt als Branchenbarometer, weil er Chips für eine Vielzahl von Produkten herstellt.

DAX am Ende kaum bewegt

Am heimischen Aktienmarkt agierten die Anlegerinnen und Anleger wie schon am Vortag mit viel Vorsicht. Dem DAX fehlt derzeit der Schwung, an die Gewinne zum Jahresanfang anzuknüpfen, einen Ausverkauf gibt es aber auch nicht. Stattdessen rückt die Wall Street wieder stärker in den Fokus der Anleger, wo die Berichtssaison der Unternehmen heute mit einer Flut neuer Zahlen weitergeht.

Am Ende des Tages schloss der DAX bei 15.093 Punkten um 0,1 Prozent schwächer und bewegt sich dabei zwischen 15.022 und 15.147 Punkten in einer überschaubaren Bandbreite. Wie schon am Vortag, konnte die Unterstützungsmarke bei 15.000 Punkten aber behauptet werden. Der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, verlor 0,44 Prozent auf 28.567 Punkte.

Zwar wiesen Konjunkturdaten darauf hin, dass der Abschwung in der Eurozone nicht so tief ist wie befürchtet und die europäische Währungsunion der Rezession entgehen könnte. „Den Anlegern wird aber klar, dass dies zwar ein Fortschritt ist, aber noch ein weiter Weg vor ihnen liegt, während sich die EZB darauf vorbereitet, die Zinsen weiter anzuheben“, sagte Susannah Streeter, Analystin bei Hargreaves Lansdown.

Konjunkturdaten zeigen keine Wirkung

Frische Konjunkturdaten halfen dem DAX nicht weiter: Zum vierten Mal in Folge habe sich im Januar die Stimmung der Verbraucher in Deutschland verbessert, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK mit. Sie bleibt aber im negativen Bereich. „Auch wenn das Niveau noch sehr niedrig ist, hat der Pessimismus zuletzt doch nachgelassen“, erklärte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Auch der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft, Industrie und Dienstleister zusammen, stieg im Januar bereits den dritten Monat in Folge, und zwar um 0,7 Zähler auf 49,7 Punkte, teilte der Finanzdienstleister S&P Global heute mit. Das ist der höchste Wert seit sieben Monaten, er liegt aber noch unter der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert.

Stefan Wolff, HR, zum angestiegenen GfK-Konsumklimaindex

24.1.2023 · 15:08 Uhr

Euro weiter auf hohem Niveau

Die europäische Gemeinschaftswährung kostet im US-Handel 1,0883 Dollar. Sie legt damit zum Vortag leicht zu und bleibt auf hohem Niveau. Am Montag war der Euro noch erstmals seit April 2022 über 1,09 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0858 (Montag: 1,0871) Dollar fest.

Konjunkturdaten fielen aus der Eurozone zwar besser aus als erwartet, gaben dem Euro aber keinen Auftrieb. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global hellte sich, wie zuvor schon in Europa, auch in den USA etwas auf. Er signalisiert im Januar aber weiter eine Schrumpfung der Wirtschaft. Dieser Indikator wird jedoch weniger beachtet, als die entsprechenden europäischen Daten. In den Vereinigten Staaten gilt der ISM-Index als der entscheidende Frühindikator.

Rückschlag beim Ölpreis

Sowohl ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent als auch der Sorte WTI weiteten ihre Verluste im Verlauf aus. Beide marktführenden Sorten verloren deutlich rund Prozent.

Tendenziell bleiben Marktbeobachter aber optimistisch. Für Zuversicht sorgt auch der weniger strenge Corona-Kurs in China. Er weckt Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung und eine höhere Energienachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die IEA erwartet, dass der Ölmarkt im ersten Quartal noch deutlich überversorgt ist und im Laufe des Jahres in eine deutliche Unterversorgung kippt, meinen die Expertinnen und Experten der Commerzbank.

USA verklagen Google wegen Dominanz bei Online-Anzeigen

Die US-Regierung hat den Internetriesen Google wegen des Vorwurfs von Wettbewerbsverstößen bei Online-Werbung verklagt. In der heute bei einem Bundesgericht eingereichten Klage werfen die Regierung und mehrere Bundesstaaten dem Konzern vor, eine „Monopol“-Stellung in dem Segment aufgebaut zu haben und zu missbrauchen. Damit bestätigten sich Medienberichte, die heute umgingen. Das Unternehmen macht etwa 80 Prozent seines Umsatzes mit Online-Werbung.

Telekom starte Verkauf eigener Smartphones

Die Deutsche Telekom macht Smartphone-Anbietern auch in Deutschland Konkurrenz mit einem eigenen 5G-Telefon. Der Netzbetreiber gab heute den Verkaufsstart der Modelle T Phone und T Phone pro bekannt, die mit einem Preis ab 219 Euro vor allem den Markt für Einsteiger-Geräte ins Visier nehmen. In diesem Bereich sind vor allem chinesische Anbieter zuhause.

T-Mobile US vor Milliardenzukauf?

Die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US, will laut einem Medienbericht für den Zukauf des Billiganbieters Mint Mobile bis zu etwa einer Milliarde US-Dollar auf den Tisch legen. Neben einer Fixsumme von 350 Millionen US-Dollar stehe eine erfolgsabhängige Komponente im Raum, berichtete das „Manager Magazin“ und beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Umgerechnet wären das bis zu 920 Millionen Euro. Ein Telekom-Sprecher wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern.

Keine Briefe mehr bei der Post?

Die Deutsche Post will nach eigenem Bekunden Briefe und Pakete weiter flächendeckend in Deutschland zustellen. Man plane keinen Rückzug aus dem sogenannten Universaldienst und wolle „diesen wichtigen Beitrag zur Grundversorgung weiterhin leisten“, teilte der Konzern heute auf Anfrage mit. Das Unternehmen bezog sich dabei auf einen Artikel der „Welt“, demzufolge es in der Firma Planspiele zum Ausstieg aus dem Universaldienst gibt. Die Zeitung berief sich auf Informationen aus dem Betriebsrat.

RB Leipzig wechselt 2024 Ausrüsterfirma

Fußball-Bundesligist RB Leipzig wechselt zur Saison 2024/2025 den Ausrüster. Einem Bericht der „Bild“ zufolge, der sich mit dpa-Informationen deckt, löst der Herzogenauracher Sportartikelkonzern Puma den amerikanischen Hersteller Nike ab, bei dem RB seit 2014 unter Vertrag stand. Laut dem Zeitungsbericht soll der neue Zehn-Jahres-Kontrakt den Sachsen rund 150 Millionen Euro bringen. RB-Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff, früher selbst bei Puma, soll den Deal ausgehandelt haben.

Maues Anleger-Interesse an Börsenkandidat Ionos

Das Interesse potenzieller Investoren am Börsenkandidaten Ionos hält sich einem Zeitungsbericht zufolge in Grenzen. Sie hielten den angestrebten Börsenwert von etwa fünf Milliarden Euro für ambitioniert, schrieb die „Börsen-Zeitung“. Institutionelle Anleger störten sich unter anderem daran, dass die angebotenen Aktien allein aus den Beständen der bisherigen Eigner United Internet und Warburg Pincus stammten und Ionos kein frisches Geld zufließe.

Rheinmetall steht Gewehr bei Fuß

Aussagen des Rheinmetall-Chefs Armin Papperger zur mittelfristigen Umsatzentwicklung haben die Aktie heute zeitweise angetrieben. Kurz nach dem Auftakt legte sie auf 225,50 Euro zu, knapp unter dem Rekordhoch von Ende Juni bei 227,90 Euro. „Für 2025 erwarten wir 11 bis 12 Milliarden Umsatz bei Rheinmetall“, sagte Chef Armin Papperger in einem Interview dem Magazin „Stern“. Die Konsensprognose liegt laut einem Händler derzeit bei 10,4 Milliarden Euro. Das Papier kann das hohe Niveau aber nicht halten und liegt aktuell über ein Prozent im Minus.

Gleichzeitig hat Papperger mehr Tempo der Politik bei der Auftragsvergabe für Wehrtechnik gefordert. „Was wir jetzt brauchen, ist gemeinsam mit der Politik den Schulterschluss, dass wir eine Planungsfähigkeit haben“, sagte der Konzernlenker heute auf einer Handelsblatt-Konferenz. Er betonte, die Industrie habe ausreichend Kapazitäten, um zu produzieren. „Wir sind in der Lage, mehr Artillerie-Munition zu produzieren als die Amerikaner“, betonte der Manager. „Ich hab aber bisher keinen einzigen Auftrag dafür.“

Verizon fällt zurück

Der US-Mobilfunkanbieter Verizon rechnet für das laufende Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Nach 5,18 US-Dollar für das abgeschlossene Jahr dürfte das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) 2023 auf 4,55 bis 4,85 Dollar (4,18 bis 4,46 Euro) fallen, teilte der Konkurrent der Telekomtochter T-Mobile US heute in New York mit. Das ist deutlich weniger, als Analysten erwartet hatten.

Der starke Rückgang dürfte eine Folge des weiterhin kriselnden Geschäftes mit Mobilfunkverträgen für Privatkunden sein. Vor allem gegenüber T-Mobile US fällt der Konzern aus dem Dow Jones mit 217.000 Netto-Neuverträgen zurück. Der Konkurrent hatte 927.000 Neukunden geworben. Im Abschlussquartal steigerte Verizon unterdessen seinen Erlös gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,5 Prozent auf 35,3 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sank jedoch auf 1,19 Dollar nach 1,33 Dollar im Vorjahr.



Heinz Duthel

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